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Wirtschaftsaussichten und Risiken 2010: Schwerpunkt Lateinamerika

January 31st, 2010 · Keine Kommentare

Es könnte durchaus sein, dass wir in den kommenden Jahren für Lateinamerika einen richtigen Boom erwarten dürfen, doch ist dieser mit einigen Risiken verbunden. Probleme bereitet vor allem die unstabile amerikanische Wirtschaft, die noch nicht wieder Boden unter den Füssen gefasst hat und mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die aufstrebenden Schwellenländer schaut. Besonders die weltweit grosse Nachfrage an Rohstoffen, die es in den asiatischen Ländern zu befriedigen gibt, führt zu einem unausgewogenen Gleichgewicht. Der steigende Erdölpreis drückt ebendfalls wieder gewaltig, und auch die Preise für andere Rohstoffe wie Kupfer und diverse Grundnahrungsmittel (Zucker) ziehen gewaltig an. Die Preise für Mais oder Soja schiessen nur deshalb nicht in die Höhe, weil in den USA eine der größten Ernten aller Zeiten erwartet wird. Während allerdings die Nachfrage nach den Rohstoffen stark bleibt, sieht es bei dem Angebot an  Industrieprodukten gegenteilig aus. China treibt hier den Markt, um nicht zu sagen überschwemmt, mit preisgünstigen Produkten an.
Auf welcher Basis diese preisgünstigen Produkte zustande kommen, darüber braucht man sich nicht so sehr viele Gedanken zu machen. Staatskredite, Industriespionage, Sklavenarbeit (krasse Photoserie über die Arbeitsbedingungen in China) und Handelshemmnisse sind nur einige Schlüsselwörter, die zu diesem Faktum führten.
Ebenfalls unausgeglichen sieht es auf den internationalen Finanzmärkten aus. Hier schlägt sich das geringe Wachstum der Industrieländer negativ zu Buche. Die Zinssätze sind tief und Geld steht in rauen Mengen zur Verfügung. So viel, dass es gerade in den Schwellenländern zu einer Spekulationsblase an den Börsen und dem Immobilienmarkt kommen kann. China versucht Vorsichtsmassnahmen zu treffen, ob die Gier der Neureichen da mitspielt wird sich zeigen.

Lateinamerikanische Börsen

Speziell an den lateinamerikanischen Börsen geht es richtig munter zu. Sie waren die Gewinner im Jar 2009. Für die meisten von ihnen war das Jahr 2009 eine wahre Bonanaza. Weit über 100% Rentabilität waren keine Seltenheit, nicht nur in Brasilien, sondern auch in Peru, Chile und am Rio de la Plata.
Man kann nur hoffen, dass einige Länder in der Region sich nicht zu sehr auf einzelne Wirtschaftszweige festlegen und dem Aufschwung somit ein Ende setzen. Gefährdet sind Brasilien, das zwar eine breitgefächerte industrielle Wirtschaftstruktur besitzt, aber hoffentlich sich in den kommenden Jahren nicht nur auf die rentabelen Exporte von Erzen, Ökotreibstoffen und Rohstoffen verlegt. Länder wie Peru, Bolivien und Kolumbien folgen ganz diesem Trend. Gerade die Länder, die sich vielfach auf den Export von Rohstoffe konzentrieren werden auf Grund ihrer flexibelen Wechselkursstruktur Probleme bekommen. Ein weiterer Risikofaktor könnte ein Ansteigen der Inflation im Zusammenhang mit den Wechselkursen sein, Argetinien versucht alles dagegen zu tun. Der Versuch ausländisches Kapital vom Binnenmarkt fernzuhalten ist wenig sinnvoll, um nicht zu sagen kontraproduktiv.
Kleinere Länder und auch Mexiko, die viel vom Tourismus und Überweisungen aus dem Ausland abhängig sind, laufen wegen einer möglichen fiskalen Schwächung Gefahr einer langanhaltenden Stagnation. Einige Länder werden das bei der Beurteilung des Länderrisiko in der Zukunft zu spüren bekommen, darunter El Salvador.

Wirtschaftskrise

Doch hat die Region die Wirtschaftskrise insgesamt einigermassen gut überstanden, und es kann zu Arbeitsplatzschöpfungen in diesem Jahr kommen, allerdings wie schon oben erwähnt zumeist auf dem Wirtschaftszweig der Rohstoffexporte. Was es unbedingt zu vermeiden gilt ist das Paradoxon der holländischen Krankheit, bei der es in erfolgreich exportierenden Volkswirtschaften über Wechselkursentwicklungen zu einem ökonomischen Niedergang kommen kann. Durch die Außenhandelsüberschüsse, (erzielt durch die Rohstoffexporte) kann es demnach zu einer Währungsaufwertung kommen, die den Absatz der anderen Güter (Industrie) benachteiligt.

Politische und soziale Lage in Lateinamerika
Wenn die politische und die soziale Lage in der so wechselhaften Region jedoch stabil bleibt, sehen die Zukunftsaussichten für Lateinamerika durchaus nicht schlecht aus. Ob allerdings die Konzentration auf einige wenige Produkte dazu beiträgt ist fraglich.
Momentan sieht es danach aus, dass es wieder zu einer Konzentration der finanziellen Mittel und der politischen Macht wie im althergebrachten Sinne kommt. Immer mehr Länder fahren den Weg einer Mitte-Rechts-Regierung, wobei reiche Unternehmer die politische Führung übernehmen.

Tags: Finanzen

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