Wenn man den Bericht im Spiegel mit dem Titel: Warum sich reiche Menschen mehr Sorgen machen liest, muss man ja schon wirklich Mitleid mit ihnen haben. Das hört sich ja an, als wäre dieser in meinen Augen oftmals gierige und geldgeile Menschenschlag auch noch bedauernswert. Aussagen wie: „Personen, die im Schnitt das Doppelte des Durchschnitts verdienen, machen sich jetzt sogar mehr Sorgen” bewirken in mir einen Brechreiz. Die armen Reichen. Ich frag mich nur was für eine Art von Reichtum das ist. Von geistigem und seelischem Reichtum kann ja hier nicht die Rede sein. Der schnöde Mamon ist hier wie immer der Massstab unseres Denkens. Von einem sogenannten Schickedanz-Effekt ist die Rede, als müsste man der armen Person jetzt noch Beistand leisten. Mit Sicherheit wird sie noch (im materialistischen Sinne gesehen) sehr reich sein, auch wenn sie viel (Geld) verloren hat. Ich brauche solche Leute aber nicht bemitleiden, ich hab sie auch nicht beneidet, als sie “reich” waren.
Das wäre das gleiche, wie wenn ich mit Bill Gates leide, wenn der arme Kerl 30 Milliarden in den Sand gesetzt hätte. Das macht ihn nicht arm, nur Sorgen wird er sich auf einmal machen, obwohl ihm noch 15 Milliarden bleiben. 15 Milliarden, diese Summe haben manche Staaten nicht zur Verfügung. Selbst wenn dem Armen nur noch 1 Million bliebe, wäre er in meinen Augen sogar noch sehr reich. Damit könnte er selbst von den Zinsen her gesehen noch ein bequemes Leben führen, ohne dafür arbeiten zu müssen. Irgendwie scheint es mir, als hätten wir bezüglich Geldanhäufungen jeglichen Bezug zur Realität verloren. Und sind wir doch einmal ehrlich. Alle schimpfen wir schon wieder auf die Banker und ihre Gier, auch mit Recht wie ich meine, doch sind diejenigen, die mehr als das Doppelte des Durchschnitts eines Normalbürgers verdienen nicht auch alle in irgendwelche Anlagegeschäfte verwickelt und wollen noch mehr, weil ihnen das Doppelte schon nicht mehr ausreicht. Was diesen Menschen fehlt ist eine gesunde Orientierung. Im Artikel heißt es: Wer oben angekommen ist, orientiert sich nicht mehr nach unten – sondern an anderen Reichen. Und da genau ist der Haken, denn würden diese Personen sich an Ärmeren orientieren, wüssten sie wie gut es ihnen geht.
Aber das kommt ja nicht in Frage. Mein BMW muss dicker sein, als der meines Nachbarn usw. Nie würde der Mann (Frau) zu dem Nachbarn mit dem kleineren Auto schauen und sich denken: „dieser reicht mir eigentlich auch“.
Das alte Besitzgehabe kann so nicht aus unseren Köpfen verschwinden, oder zumindest eingedämmt werden. Was soll der Schwachsinn, von riesigen börsengewinn-orientierten Gehältern, oder von Sportlern, die Millionen verdienen, weil sie ein paar Runden auf einer Asphaltpiste drehen oder kleine Bälle irgendwo versuchen hinein- oder drüber zu schlagen. Wir haben doch jeden Sinn für angemessene Bezahlungen verloren. Ein guter Sportler hat in vergangenen Zeiten den gleichen Aufwand für viel viel weniger, in manchen Sportarten sogar für gar nichts betriebenund manche tun es heute noch. Selbst die Jüngsten wollen in die Bundesliga, um da Geld, viel Geld zu verdienen, das Sich-Messen mit anderen Sportlern ist schon fast zweitrangig geworden. Nur die Anhäufung von Kapital steht im Vordergrund. Wie kann auf solch einer Basis die Gier und die Jagd nach Geld eingedämmt werden und ein gesundes, ehrliches Verhältnis zu diesem entwickelt werden?
Es fehlen doch den meisten Menschen in unserer Gesellschaft an solchen Attributen wie: Verzicht üben, haushalten, sich mit etwas zufrieden geben usw. Nein einzig und allein: es muss immer mehr sein, und je reicher man ist, um so besser geht es einem. Aber wie man sieht, hat diese alte Weisheit ihren Sinn verloren.
Ich kann all den armen Reichen nur den Klassiker Siddartha von Herman Hesse nahelegen.
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